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Am Vierten Sonntag in der Fastenzeit, Lätare, 18. März, 2007 zu Altzion in Philadelphia

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Am Vierten Sonntag in der Fastenzeit, Lätare, Die lutherische Kirche zu Altzion in Philadelphia

Joshua 5:9-12  Psalm 32  2 Korinther 5:16-21  Lukas 15:1-3, 11b-32

 

Zuerst will ich euch den 32. Psalm vorlesen. Er ist der zweite Busspsalm und handelt vom Segen der Sündenvergebung. Nachdem unsere Sünden vergeben geworden sind, können wir fröhlich Busse tun, denn Heute haben wir den Sonntag Lätare, welches Fröhlichsein auf Lateinisch bedeutet. Wir wollen fröhlich sein in der Mitte dieser Fastenzeit, denn wenn die Engel sich freuen über einen Sünder der Busse tut, dann gibt’s etwas besseres als Karneval direct im Lent. Die Lesung:

Psalm 32

Der Verlorene, Verschwenderische Sohn

Welch eine Geschichte haben wir heute vom verlorenen, verschwenderischen Sohn! Wie es der Jesus erzählt, sollte der Vater eigentlich als verschwenderisch beschrieben werden, denn sein Herz ist so voll Liebe, er ist so selbstlos, so überschwenderisch mit seiner Barmherzigkeit, dass wir alle aufatmen können und getrost glauben können dass wir auch gerettet und erlöst werden können.

Wie Sankt Paulus sagt, „Denn hier ist kein Unterschied; [wir] sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben solten“ (Römer 3:22-23). Nur einer ist gerrecht und er heisst Christus. Wir kommen alle zu kurz. Manche von uns verfallen offenbar in Sünde, öffentlich und äusserlich, und können diese Tatsache garnicht verstecken; andere verfallen innerlich in die Sünde und sind oft viel schwieriger zu helfen, denn oft können sie sich in der selbst-Gerechtigkeit verstecken. Die innerliche Entfernung von der Barmherzigkeit Gottes kann schwerer zu überwinden sein als die äusserliche. Jesus erzählt diese Geschichte den Zöllnern auf der einen Seite und den selbst-gerechten Pharisäer auf der anderen Seite, die den älteren Sohn ähnlich sind.

            Es gibt einen dritten Sohn in dieser Geschichte, nicht wahr? Er ist der Erzähler, der gesagt hat, „Ich und der Vater sind eins.“ Er ist unser lieber Herr Jesus Christus, der den älteren und den verschwenderischen, verlorenen Bruder versöhnen kann durch das Kreuz. Obwohl er nie gesündigt, wurde er die Sünde für uns, damit alle die an ihn glauben, dessen Herzen an ihn klaften, die seelige, schuldlose, Gerechtigkeit, die von Gott kommt, erhalten. Ja, „die Freunde Gottes sollen sein, wie die aufgehende Sonne in ihrer Pracht“ (Richter 5:31).

            Nun ein Haus hatte zwei Söhne und einen Vater. In unserem Programm guckt die Mutter auch zum Fenster heraus, denn sie muss dasein. Die Geschichte hätte genau so über zwei Töchter und eine barmherzige Mutter in weiblicher Art erzählt werden können. Aber jetzt weiter. Hier will der jüngere Sohn seinen Teil der Erbe haben. Ach weh! Für ihn war der Vater nichts mehr als Friedhofs Grass. Er war noch nicht tot und schon wollte der Sohn die Erbe. Welch eine Beleidigung! Welch Verachtung seines Vaters!

            Der Sohn war eigentlich der Tote, denn er hatte gar kein Mitgefühl. Das Verhältniss zwischen dem Sohn und dem Vater muss tot gewesen sein und wer kann solch Totsein, wo eigentlich Liebe, Hoffnung, und Lebens Freude dasein sollten, erdulden? Mann kann alles aushalten, aber das nicht. Würden tote Menschen bitte umfallen, denn sie sollten sich nicht bewegen als ob sie lebten und als ob ihr Leben einen Sinn hätte. Sie handeln aber immer weiter und tun so als ob.

            Vielleicht können wir den verlorenen Sohn so verstehen. Daher auch nahm er sein Drittel des Erbe, sammelte all seine Sachen zusammen, und zog in ein fernes Land, wo er sein Erbteil mit Prassen verschwendet hat.

            „Wer nicht hören will, der muss fühlen“ und gewöhnlich schlägt uns die Wirklichkeit des Lebens direckt ins Gesicht und es tut viel mehr weh als irgend eine Backpfeife. Denn als er all sein Geld verbraucht hatte, kam eine grosse Hungersnot über jenes Land und bald als ein guter koscher junger Jude musste er Schweine füttern. Ausgerechnet Schweine! Er geht auch tiefer. Er wurde so hungrig, dass er die schmutzige Schoten, die die Säue frassen, begehrte, um seinen Bauch zu füllen, und es sagt, „Keiner gab ihm zu essen.“ Als er Geld hatte, hatte er viele Freunde. Jetzt wo er unten angekommen ist, wollte keiner ihn wissen.

            Da erinnert er sich an seinem Vater, wie unter ihn auch die Tagelöhner mehr als genug Brot hatten und er beginnt eine Beichte zu formulieren. „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. Ich bin hinfort nicht mehr wert dein Sohn zu heissen. Mache mich zu einen von deinen Tagelöhnern.“ Und er machte sich auf.

            Schmutzig, verschmachtet, mit zerrissenen Kleidern sieht ihn sein Vater als er noch weit entfernt ist und es jammert ihn. Dies ist der beleidigte Vater. Dies ist der Vater, den der Sohn als Friedhofs Grass betrachtete. Dies ist der Vater auf dessen Ehre und guter Name er Schmutz und Dreck gebracht hatte. Und dies ist der Vater, der ihn, als er noch weit entfernt war, seine eigene Ehre und Würde, ja, sich selbst ganz und gar vergisst. Der Alte rennt zu seinem Sohne und lässt ihn kaum seine kleine Beichtrede, die er auswendig gelernt hatte, aufsagen. Da ist er, der Vater. Er ist viel zu alt und sollte nicht laufen. Aber es ist als ob sein Herz wieder aus der Ferne zu ihm zurück gekommen ist und er kann sich nicht helfen.

            Da ist er, dieser unglaubare Vater. Wie Jesus sagt, Er lief zu ihn hin, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Der Sohn versucht wieder seine kleine Beichte zu geben, aber der Vater ruft, „Bringt schnell das beste Gewand aus dem Haus und zieht es ihm an. Gebt ihm ein Ring an seinem Finger und ein Paar neue Schuhe. Bringt und schlachtet das gemässtete Kalb, und lass uns essen und fröhlich sein. Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden. Er war verloren und ist wieder gefunden worden.“

            Was für eine Zeit! Was für eine Fete. Die Musik spielte, alle tanzten, und ein Oktoberfest war nicht damit zu vergleichen. Die fröhliche Musik lautete bis in den Felder, wo der ältere Bruder arbeitete. Er tat seine Pflicht. Zu leben war nicht nötig, sein Leben war Opfer seiner Pflicht. Mühe und Arbeit war alles. Geld musste verdient werden. „Wenn blos der Taugenichts, der jüngere Bruder, nicht mit so viel Gut abgehauen wäre. Dann wäre die Arbeit viel leichter gewesen.

            Komisch. Er hörte Musik und als er nahe  ans Hause kam, hörte er Singen und Tanzen. Er staunte. Was könnte hier vor sich gehen? Er ruft einen Knecht und fragt ihn: „Was gibt’s?“

            „Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das gemässtete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder hat.“

            Da braust der ältere Bruder auf in Zorn. „Ich gehe nicht in das Haus!

            „Komme doch herein,“ flüstert der Knecht.

„Nein, ich komme nicht herein!“ und stand da mit seinem harten Gesicht gegen seinen Bruder gesetzt, seine Fäuste geballt voll Zorn und Ärger.

            Nun kommt der unglaubare Vater wieder. Wo steckt seine Würde? Hat er kein Schamgefühl? Hat er keine Ehre?  Er ist alt und hat alte Beine. Sein Sohn ist jung und hat junge Beine. Der alte Vater läuft aber zum älteren Sohn, obwohl der Sohn zum Vater laufen sollte. Und der Sohn sollte den Vater bitten, aber der Vater bittet den Sohn herein zu kommen. Verkehrte Welt. Die Liebe kann alles auf dem Kopf stellen.

            Nun bekommt der Vater die Schläge des Sohnes Ärger für seine Liebe und Barmherzigkeit. „Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot nie übertreten, und du hast mir nie so viel wie einen Bock gegeben, dass ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre. Aber nun, da dieser dein Sohn gekommen ist, hast du für ihn das gemässtete Kalb geschlachtet!“

            Mann sagt dass der ältere Bruder lernen musste „mein Bruder“ zu sagen und der Jüngere musste lernen „mein Vater“ zu sagen. Denn sie hatten ihr Verhältniss abgestossen und es sterben lassen. Die Verbindungen von ihren Herzen waren längst zerbrochen. Und wer hat hier von Prostituierten gesprochen? Nirgends sagt die Geschichte dass der jüngere Bruder mit Prostituierten geprasst hat.

            Es gibt eine Geschichte über zwei Mönche die an einem Strom kommen, wo eine junge Frau Angst hatte ihn zu überqueren. Ein Mönch nahm sie auf seinem Rücken und trug sie zur anderen Seite, als der Andere mit offnen Mund schockiert ihn anschaute. Nachdem Beide zehn Meilen weiter gelaufen hatten, konnte der zweite Mönch sich erst ausdrücken. „Wie konntest du jene Frau auf deinem Rücken setzen? Du bist doch ein Mönch!“

            Der Anrdere antwortete, „Trägst du sie noch? Ich habe sie nieder gestezt als wir die andere Seite des Stroms erreichten.“ Der ältere Bruder ähnelte vielleicht diesen äusserlich keuscher Mönch.

            Der ältere Bruder sagt auch, „Ich habe nie dein Gebot übertreten.“ Wie selbst-gerecht! Sein Problem lag darin, dass so selbst-gerecht wie er tat, desto mehr hat sich sein Herz innerlich von seinem Vater entfernt. Er hätte gern viel Unfug getrieben, aber die Augen anderen haben ihn in Fesseln gehalten. Äusserlich konnte er viele täuschen, aber sein Herz hat sich versteinert. Es war so hart geworden dass es ihm überhaupt nichts ausmachte ob sein Bruder tot oder lebendig war. Er hätte leicht über Leichen laufen können und wär vielleicht zu Kadavargehorsam fähig. Friedrich Wilhelm der Zweite, der Grosse genannt, hat einen Officier vorgehalten als er sich für Unsinniges entschuldigen wollte, und sich auf einen Befehl beruft: „Herr, dazu hat Sie der König von Preussen zum Stabsofficier gemacht, dass Sie wissen, wann Sie einen Befehl nicht ausführen dürfen!“[1]

Er konnte schwer arbeiten, aber von der Arbeit der Seele wusste er garnichts. Wie mann ein Eiss-kaltes versteinertes Herz mit einem warmen, mennschlichen, von Fleisch und Blut gemachtes Herz vertauscht, hatte er keine Ahnung. Für den älteren Bruder übertreib ich, natürlich, um an die Wurzeln unserer Sünden zu kommen.

            Was für einen wundervollen Vater! Er liebte auch den älteren Sohn. „Mein Sohn, du bist alle Zeit bei mir, und alles was mein ist, das ist dein. Du solltest aber fröhlich sein und guten Mutes sein, denn dieser dein Bruder, (der Vater will ihm beibringen „mein Bruder“ lernen zu sagen) dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wieder gefunden.“

            Jetzt gibt’s auch ein dritter Sohn, der ganz eins ist mit dem Vater, und der nicht nur gesagt hat, „Ich und der Vater sind eins,“ aber auch voll von derselben überschwendlichen Liebe und Barmherzigkeit für die Verlorenen ist, der am Kreuzes Stamm willig für uns gestorben ist, und der Sünde für uns wurde um äusserliche und innerliche Verlorene zu erlösen und retten. Wir sind alle nicht mehr wert dass wir Söhne und Töchter, Kinder Gottes heissen, aber der Jesus hat uns so sehr geliebt, dass er alles für uns tun wird, alles Nötige uns zu retten, auch die Sünde zu werden unsretwillen, obwohl er keine Sünde wusste, damit wir ins Hause des Herrn herein gehen können, das Haus das so voll von Liebe und Barherzigkeit ist, voll Freude und Fröhlichsein. Denn wir steigen aus unseren falschen Herzen wo wir selbst-gerecht sind und wir uns die Gerechtigkeit vortäuschen, und werden eigentliche Geschwister, mit Christus in unseren Herzen, um zur grossen Mahlzeit im Hause des Herrn zu kommen.

            Denn die Engel im Himmel freuen sich mit einem ewigen Fest über einen Sünder der Busse tut, wenn er oder sie vom Schweine füttern zurück oder von der selbst-Gerechtigkeit zurück kommt. Und der barmherzige Vater, Sohn, und Hl. Geist freut sich über uns denn, wir Kinder waren tot und wir sind wieder lebendig geworden. Wir waren verloren, und siehe, wir sind wieder gefunden.“  Amen.


[1] Christian Graf von Krockow, „Die Pflicht und das Glück“,  Preussen: eine Bilanz, Seite 14.

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Written by peterkrey

March 18, 2007 at 11:50 pm

Posted in In German

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